Wenn Du diese Woche öfter auf Deine Gedanken geachtet hast, wirst Du vielleicht bemerkt haben, dass darunter auch viele Forderungen und Erwartungen an Dich selbst und andere sind, die oft überhaupt nicht der Wirklichkeit entsprechen, die Du gerade erlebst. Da tauchen Gedanken auf wie zum Beispiel: „Die Verkäuferin an der Supermarktkasse sollte freundlicher sein“, „Immer kommt alles auf einmal“, „Ich sollte immer das Richtige tun“, „Kinder sollten sich Erwachsenen gegenüber besser benehmen“, „Ich kann das nicht“, „Mein Kollege sollte sich mehr Mühe geben“, „Ich sollte mehr für andere da sein“, „Mein Partner sollte mir aufmerksamer zuhören“, „Ich sollte erfolgreicher, schlanker, hübscher oder was auch immer sein“, „Der Handwerker sollte pünktlich sein“ oder „Ich sollte zuverlässiger sein“ und so weiter.

„The Work“ von Byron Katie ist eine erstaunlich einfache und dabei sehr wirkungsvolle Technik, die Dir dabei helfen kann, solche Gedanken gezielt zu hinterfragen und zu verändern. Der Prozess ist leicht nachzuvollziehen, lässt sich schnell lernen und vor allem auch sofort erfolgreich anwenden – entweder bei Dir selbst oder gemeinsam mit Deinem Partner, mit Kollegen und Freunden. Du brauchst dafür nur einen Stift, etwas Papier und einen offenen Geist.

Das Geniale an dieser Methode ist, dass Du zum Beispiel Diabolos Aussagen nutzen kannst, um tiefe Erkenntnisse über Dich selbst zu gewinnen und auch anderen Menschen gegenüber verständnisvoller zu werden. Meine persönliche Erfahrung: Je öfter ich „worke“, desto toleranter werde ich, weil ich dann jedes Mal sehr klar sehe, dass die Welt wirklich nur mein Spiegel ist! Du glaubst gar nicht, wie oft ich über mich selbst lache, seit ich „The Work“ kennengelernt habe. :-)

Außerdem führt dieser Prozess dazu, dass ich Abstand gewinne und so mein Denken immer besser beobachten und damit auch bewusst verändern kann. Und wie Du am Montag in den Leitgedanken lesen konntest, wirkt sich das auch positiv auf meine Gefühle, meine Handlungen und meine Erfahrungen aus. Immer, wenn ich „The Work“ mache, wird mein Denken klarer. Ich bin deutlich entspannter und ausgeglichener. Und dadurch habe ich mehr Energie für die Dinge, die wirklich wichtig sind. Ich empfinde viel öfter tiefen inneren Frieden, erkenne Zusammenhänge bedeutend besser und habe harmonischere Beziehungen.

 

Wie kannst Du „The Work“ anwenden?

Die enorme Wirkung von „The Work“ wirst Du nur entdecken, wenn Du diese Methode selbst ausprobierst und Dich eine Zeit lang darin übst. Dazu kannst Du Dir gerne die folgende Anleitung als PDF-Datei herunterladen.

 

The Work

Schritt 1: Bringe Deine Gedanken zu Papier

Wähle ein Thema, mit dem Du Dich näher befassen möchtest, zum Beispiel Gesundheit, Liebe, Beziehungen, Arbeit, Geld, Dein Körper, ein bestimmtes Verhalten, eine spezielle Situation, einen anderen Menschen oder eine Herausforderung, vor der Du immer wieder stehst. Und dann schreibe Deine Urteile und Deine Glaubenssätze dazu auf. Sei dabei vollkommen ehrlich. Erlaube all Deinen Gefühlen und Gedanken, sich vollständig auszudrücken. Lass Dir Zeit dabei, formuliere kurze, einfache Sätze und schreibe Dir alles von der Seele.

Wer oder was ärgert, frustriert oder verwirrt Dich, und warum? Worüber bist Du enttäuscht? Was magst Du daran überhaupt nicht? Wie sollte sich der Mensch oder die Situation ändern? Was willst Du? Was genau sollte Deiner Meinung nach geschehen? Was sollte der andere oder Du selbst tun oder lassen, wie sein, denken oder fühlen? Brauchst Du etwas? Was muss geschehen, damit Du glücklich bist? Was denkst Du über ihn oder Dich? Was willst Du nie wieder erleben? …

Schritt 2: Hinterfrage Deine Gedanken

Wenn Du alles aufgeschrieben hast, was Dir im Moment zu diesem Thema einfällt, dann wähle einen Deiner Gedanken aus und stelle Dir dazu folgende Fragen. Sei dabei offen für Einsichten, die über das hinausgehen, was Du bisher zu wissen glaubst.

  • Frage 1: Ist es wahr?

    Frage Dich zum Beispiel: „Ist es wahr, dass ich nicht gut genug bin?“ Warte einen Moment, werde ganz still. Wenn Du sie wirklich wissen möchtest, dann wird die Antwort in Dir auftauchen. Wie Du aus der Übung mit der Intuition weißt, gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. Dein Herz wird antworten, und irgendwie wirst Du spüren, ob es wahr ist oder nicht.

  • Frage 2: Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

    Wenn Du die erste Frage mit „Ja“ beantwortet hast, dann überprüfe diese Antwort noch einmal genau. Bist Du ganz sicher? In vielen Fällen sieht es so aus, als sei die Aussage wahr. Das ist auch ganz natürlich, denn immerhin handelt es sich um Überzeugungen, die Du vielleicht schon Dein ganzes Leben lang hast. Doch die Wahrheit ist das, was gerade wirklich geschieht. Ist es also wirklich wahr? Wenn die Antwort immer noch ein „Ja“ ist, gut. Wenn Du glaubst, Du kannst mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist, dann fahre mit Frage 3 fort.

  • Frage 3: Wie reagierst Du oder was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst?

    Schreibe alle Auswirkungen auf, die es hat, wenn Du diesen Gedanken glaubst. Welche Gefühle tauchen auf? (In Schritt 5 geht es um Deine Gefühle. Dann bekommst Du eine Liste, die auch für die Arbeit mit „The Work“ sehr wertvoll sein kann.) Bringt dieser Gedanke Frieden oder Stress in Dein Leben? Welche Bilder siehst Du in der Vergangenheit oder in der Zukunft, wenn Du den Gedanken glaubst? Welche körperlichen Empfindungen hast Du? Wie behandelst Du diese und andere Personen, wenn Du diesen Gedanken glaubst? Wie behandelst Du Dich selbst?

  • Frage 4: Wer wärst Du ohne den Gedanken?

    Das ist eine sehr kraftvolle Frage. Wer oder wie wärst Du, wenn Du diesen Gedanken nicht denken würdest? Wäre Dein Leben anders? Wie würdest Du die Situation dann betrachten? Nimm Dir auch jetzt wieder die Zeit, die Du brauchst und höre in Dich hinein. Was siehst Du? Wie fühlt sich das an?

Schritt 3: Kehre den Gedanken um

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Die ursprüngliche Aussage „Ich bin nicht gut genug“ kann in der Umkehrung heißen: „Ich bin gut genug“ oder „Andere sind gut genug“ oder „Alles ist gut, wie es ist“. Ist das genauso wahr oder sogar noch wahrer als Dein ursprünglicher Gedanke? Finde drei Beispiele dafür, die zeigen, dass diese Aussage mindestens genauso wahr ist wie Dein erster Gedanke.

Nachdem Du Dir für diese Umkehrung Zeit genommen hast, kannst Du mit der Untersuchung fortfahren, indem Du Dir die nächste Aussage auf Deinem Blatt vornimmst, auf dem Du Dir Deine Gedanken zum Thema notiert hattest. Und dann jeden weiteren Gedanken, bis alles geklärt ist. Und das kann wirklich eine Lebensaufgabe sein. :-)

 

Wie wir die Welt erleben, hängt maßgeblich von dem ab, wie wir sie sehen und was wir über sie glauben. Und wie Du gesehen hast, ist „The Work“ ein Weg, mit dem auch Du Deine Gedanken erkennen und hinterfragen kannst. Ich wünsche Dir, dass Du mit seiner Hilfe viele wertvolle Einsichten gewinnst und das Leben immer mehr willkommen heißen kannst, wie es ist.

Alles Liebe,
Dein Jürgen

 

Bildquelle: Wikipedia

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